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Auswandern nach Portugal 2026: D7, Digital Nomad Visa, Steuern und Kosten

22. Juli 2026 · 10 min Lesezeit

Kurze Antwort: Für Auswanderer aus Nicht-EU-Ländern führen 2026 zwei Hauptwege nach Portugal: das D7-Visum für passives Einkommen ab rund 920 Euro im Monat (ideal für Rentner) und das Digital Nomad Visa (D8) für Remote-Arbeit ab etwa 3.680 Euro im Monat. Das alte NHR-Steuerregime ist Ende 2024 ausgelaufen, an seine Stelle tritt das enger gefasste IFICI. EU-Bürger, also auch Deutsche und Österreicher, brauchen kein Visum und melden sich einfach an.

Portugal steht seit Jahren ganz oben auf der Liste, wenn Menschen aus dem DACH-Raum über einen Neustart nachdenken. Mildes Klima, sichere Städte, gutes Essen, bezahlbarer als Deutschland. Aber 2026 sieht die Rechtslage anders aus als noch vor zwei Jahren. Zwei Regeln, auf die sich viele verlassen haben, gibt es so nicht mehr. Hier bekommst du den aktuellen Stand, ohne Marketing-Versprechen.

Welches Visum passt zu dir: D7 oder Digital Nomad Visa?

Das hängt davon ab, woher dein Geld kommt.

Das D7-Visum ist für passives Einkommen gedacht. Renten, Mieteinnahmen, Dividenden, Zinsen. Der Richtwert liegt bei rund 920 Euro im Monat für eine Einzelperson, gekoppelt an den portugiesischen Mindestlohn. Für den Partner kommen etwa 50 Prozent dazu, für jedes Kind rund 30 Prozent. Ein Paar sollte also etwa 1.380 Euro monatlich nachweisen. Dazu erwartet die Behörde, dass du Ersparnisse von rund zwölf Monatsbeträgen auf einem portugiesischen Konto zeigst. Das D7 ist der klassische Rentner-Weg.

Das Digital Nomad Visa (D8) ist für Menschen, die remote für Kunden oder Arbeitgeber außerhalb Portugals arbeiten. Die Einkommensschwelle liegt höher: das Vierfache des Mindestlohns, also etwa 3.680 Euro im Monat, plus Ersparnisse von rund 11.000 Euro. Wichtig: Dein Einkommen muss klar von außerhalb Portugals stammen. Es gibt eine Variante als befristeten Aufenthalt (bis zu einem Jahr) und eine als Aufenthaltsvisum mit Weg zur dauerhaften Niederlassung.

Für EU-Bürger gilt das alles nicht. Wenn du einen deutschen oder österreichischen Pass hast, greift die Personenfreizügigkeit. Du brauchst kein D7 und kein D8. Du ziehst einfach um und beantragst nach spätestens drei Monaten das Certificado de Registo bei der Gemeinde. Schweizer profitieren über das Freizügigkeitsabkommen ähnlich. Die Visa-Regeln sind vor allem für Nicht-EU-Familienmitglieder und zum Verständnis relevant. Steuern, NIF und Anmeldung betreffen dich trotzdem.

Wenn du noch schwankst, hilft unser Überblick zu den besten Ländern für Auswanderer bei der Einordnung.

Wie viel Einkommen brauchst du wirklich?

Die offiziellen Zahlen sind Mindestwerte, keine Komfortwerte. 920 Euro reichen auf dem Papier für das D7, aber niemand lebt in Lissabon entspannt davon. Rechne Miete, Krankenversicherung und Puffer dazu.

Realistisch: Ein Paar, das außerhalb der teuren Zentren lebt, kommt mit 2.000 bis 2.500 Euro im Monat solide über die Runden. In Lissabon oder an der beliebten Algarve-Küste eher 3.000 Euro und mehr. Die Behörde will vor allem sehen, dass du dich selbst trägst und nicht dem Sozialsystem zur Last fällst. Zeig lieber etwas mehr als das Minimum.

Was ist mit den Steuern? Das NHR ist tot, IFICI kommt

Hier liegt der größte Irrtum. Viele Ratgeber werben noch mit dem alten NHR-Regime (Non-Habitual Resident), das zehn Jahre lang großzügige Steuervorteile bot, unter anderem auf ausländische Renten. Dieses NHR ist zum 1. Januar 2025 für Neuankömmlinge ausgelaufen.

An seine Stelle tritt IFICI, oft NHR 2.0 genannt. Es bietet weiterhin einen Pauschalsatz von 20 Prozent auf bestimmte portugiesische Einkünfte und Befreiungen auf viele ausländische Einkünfte, ebenfalls bis zu zehn Jahre. Aber der Kreis ist enger. IFICI zielt auf hochqualifizierte Tätigkeiten: Forschung, Ingenieurwesen, Tech, Startups, gebunden an zertifizierte portugiesische Unternehmen oder Exportbetriebe. Voraussetzung ist, dass du in den letzten fünf Jahren nicht in Portugal steuerlich ansässig warst.

Der ehrliche Punkt für Rentner: Den früheren Vorteil auf ausländische Pensionen bildet IFICI nicht mehr wie das alte NHR ab. Wer allein wegen des Renten-Steuervorteils nach Portugal wollte, sollte neu rechnen. Für Remote-Fachkräfte in gefragten Berufen kann IFICI dagegen weiter stark sein. Wie du das mit ortsunabhängiger Arbeit verbindest, zeigt unser Beitrag zu Workation in Portugal und Spanien.

Golden Visa 2026: Was noch geht

Das Golden Visa gibt es weiterhin, aber der bekannteste Weg ist zu. Seit Oktober 2023 qualifiziert kein Immobilienkauf mehr für das Programm, weder in Städten noch in Randregionen. Der Grund waren steigende Wohnkosten.

Übrig bleiben andere Routen: die Investition von mindestens 500.000 Euro in einen qualifizierten portugiesischen Fonds (Risikokapital oder Private Equity, aber keine Immobilienfonds), Spenden in Kultur und Denkmalpflege, Forschungsförderung oder Investitionen mit Jobschaffung. Fonds sind 2026 der beliebteste Weg. Details zur Historie findest du im Wikipedia-Eintrag zum Golden Visa. Für die meisten Auswanderer ist das Golden Visa aber überdimensioniert. D7 oder D8 sind günstiger und passen besser, wenn du wirklich vor Ort leben willst.

Entscheidungsraster: Welcher Weg für wen?

Wo in Portugal solltest du leben?

Lissabon ist teuer geworden. Eine Einzimmerwohnung im Zentrum liegt schnell bei 1.400 bis 2.000 Euro im Monat, außerhalb des Zentrums bei rund 1.050 bis 1.400 Euro. Dazu etwa 750 Euro für den Rest des Lebens. Dafür bekommst du eine echte Metropole mit internationaler Community. Wenn du die Stadt testen willst, hilft unser Guide wo du in Lissabon übernachtest für die ersten Wochen.

Porto ist die klügere Wahl für viele. Die Mieten liegen oft 30 bis 40 Prozent unter Lissabon, die Stadt ist kompakter und ruhiger, das Meer und der Douro gleich da.

Die Algarve im Süden ist bei Rentnern beliebt: viel Sonne, große englischsprachige Gemeinschaft, aber saisonal schwankende Preise. Einfache Mieten starten um 700 Euro, in der Hochsaison und bei Villen deutlich mehr.

Das Landesinnere ist der Geheimtipp fürs Budget. In Dörfern der Regionen Centro oder Alentejo findest du möblierte Mieten teils ab 450 bis 700 Euro. Dafür brauchst du ein Auto und etwas Portugiesisch. Weniger Bequemlichkeit, deutlich mehr Ruhe.

Der Papierkram: NIF, AIMA und Gesundheitssystem

Die Reihenfolge entscheidet über deine Nerven.

Zuerst der NIF, die Steuernummer. Ohne ihn geht nichts: kein Mietvertrag, kein Bankkonto, kein Handyvertrag. Danach das Bankkonto, dann der Aufenthaltstitel. Zuständig ist seit 2023 die AIMA, die Nachfolgebehörde des früheren SEF. Termine sind der Engpass, plane Wartezeiten ein.

Für das Gesundheitssystem meldest du dich mit NIF und Aufenthaltstitel im lokalen Centro de Saúde beim SNS an. Der öffentliche Dienst ist günstig, es fallen nur kleine Nutzungsgebühren an. Viele ergänzen ihn mit einer privaten Versicherung für etwa 30 bis 150 Euro im Monat, um Wartezeiten zu verkürzen.

Zwei praktische Dinge für den Umzug selbst. Für die erste Zeit vor Ort, bevor du eine portugiesische SIM hast, lohnt eine Airalo eSIM: sofort online, ohne am Flughafen nach einem Shop zu suchen. Und wenn du erst einmal zur Erkundung fliegen willst, findest du flexible Verbindungen über Aviasales, um Lissabon, Porto und die Algarve nacheinander abzuklappern.

Portugal und Spanien werden oft im selben Atemzug genannt. Wenn du beide vergleichst, lies auch Auswandern nach Spanien.


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Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis du eine Aufenthaltsgenehmigung bekommst?

Rechne vom Visum-Antrag im Konsulat bis zum Aufenthaltstitel mit mehreren Monaten. Der Konsulatsteil dauert oft einige Wochen bis Monate, danach folgt ein AIMA-Termin in Portugal. Die Terminvergabe bei AIMA ist derzeit der größte Zeitfaktor.

Was kostet das Leben in Portugal im Monat?

Ein Paar außerhalb der teuren Zentren lebt solide mit 2.000 bis 2.500 Euro. In Lissabon oder an der Algarve eher 3.000 Euro und mehr. Im Landesinneren geht es deutlich günstiger, dort reichen für viele schon 1.500 bis 2.000 Euro.

Wann solltest du den NIF beantragen?

So früh wie möglich, am besten noch vor dem Umzug über einen Steuervertreter. Der NIF ist die Grundlage für Mietvertrag, Bankkonto und Handyvertrag. Ohne ihn stockt jeder weitere Schritt.

Welche Region in Portugal ist am günstigsten?

Das Landesinnere in den Regionen Centro und Alentejo ist am günstigsten, mit Mieten teils ab 450 bis 700 Euro. Porto ist der beste Kompromiss aus Stadtleben und Preis, Lissabon und die Algarve sind am teuersten.

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