Die blauesten Städte der Welt: Chefchaouen, Jodhpur und mehr
Manche Städte erkennst du an ihren Kirchen, andere an ihrer Küche. Und dann gibt es Orte, die erkennst du sofort an einer einzigen Farbe. Blau. Nicht irgendein Blau, sondern das intensive, fast unwirkliche Blau, das sich über ganze Gassen, Treppenstufen und Hausfassaden zieht und jeden Besucher in ein Fotostudio verwandelt.
Diese blauen Städte und Dörfer sind kein Zufall. Hinter jedem liegt eine Geschichte: Überzeugungen, Traditionen, manchmal auch cleveres Marketing. Fünf davon solltest du kennen, wenn du das Besondere suchst.
Welche blaue Stadt passt zu dir?
Nicht jede blaue Stadt ist für jeden Reisetyp das Richtige. Hier ein kurzer Überblick:
- Chefchaouen (Marokko): Für Backpacker, Fotografen und alle, die das authentische Nordafrika erleben wollen.
- Jodhpur (Indien): Für Kulturreisende, die Rajasthan erkunden und sich in echte indische Alltagskultur eintauchen wollen.
- Juzcar (Spanien): Für Tagesausflügler aus Málaga oder dem Elsass der Pueblos Blancos.
- Santorini (Griechenland): Für Paare, Hochzeitsreisende und alle, die das Urlaubsklischee bewusst genießen wollen.
- Sidi Bou Said (Tunesien): Für Entdecker, die etwas abseits des Mainstreams suchen.
Chefchaouen: Die blaue Perle Marokkos
Im Rif-Gebirge Nordmarokkos liegt eine kleine Stadt, die Reisende seit Jahrzehnten fasziniert: Chefchaouen. Die Medina ist nahezu vollständig in verschiedenen Blautönen gestrichen, von Kobalt bis Hellblau. Die Farbe hat religiöse Wurzeln. Jüdische Einwanderer brachten sie im 15. Jahrhundert mit, als Symbol der Spiritualität und des Himmels. Später wurde die Tradition von der muslimischen Bevölkerung übernommen.
Das Beste: Die Stadt wirkt trotz wachsendem Tourismus noch immer echt. Kinder spielen in blauen Gassen, Händler verkaufen Gewürze vor blau gestrichenen Türen, Katzen schlafen auf blauen Treppenstufen. Für Fotografen ist das ein Paradies, egal zu welcher Tageszeit.
Preise: Günstig. Ein Doppelzimmer in einem Riad kostet 25-60 Euro pro Nacht. Hauptsaison ist März bis Mai sowie September bis Oktober. Sommer ist heiß, Winter kalt und manchmal verschneit.
Interne Verlinkung: Wer Marokko tiefer entdecken will, findet im Marokko-Städteguide eine gute Übersicht. Wer von Marrakesch aus fahren möchte: Wo übernachten in Marrakesch hilft bei der Basisplanung.
Jodhpur: Das blaue Herz Rajasthans
In der Wüstenstadt Jodhpur in Rajasthan sind Tausende von Häusern tatsächlich blau gestrichen. Historisch war das die Farbe der Brahmanen-Kasten, die damit ihren Status und gleichzeitig die kühle Wirkung der Farbe im Sommer nutzten. Heute streichen viele Hauseigentümer weiter, Tradition und Touristenattraktion zugleich.
Zentrum der blauen Altstadt ist der Bezirk unter der gewaltigen Mehrangarh-Festung. Von dort oben siehst du das Blau der Stadt wie ein blaues Meer zu deinen Füßen. Der Eintritt zur Festung kostet rund 600 Rupien (ca. 7 Euro) für ausländische Besucher.
Ohne Jodhpur macht eine Rajasthan-Rundreise keinen Sinn. Die Stadt liegt perfekt zwischen Jaipur und Jaisalmer. Flug nach Jodhpur über Delhi oder direkter Bus ab Jaipur (ca. 5 Stunden). Unterkunft: 30-80 Euro für ein schönes Guesthouse mit Festungsblick.
Warum sind manche Städte wirklich blau?
Die Gründe für blaue Stadtfarben sind überraschend vielfältig:
- Religion und Spiritualität: Chefchaouen, Jodhpur, Sidi Bou Said.
- Insektenschutz: Blau soll Mücken abhalten (Theorie, wissenschaftlich nicht bestätigt).
- Kühlwirkung: Helle Farben reflektieren Hitze. In Wüstenregionen ein echter Vorteil.
- Tourismusstrategie: Juzcar in Spanien wurde 2011 für den Schlumpf-Film blau gestrichen und blieb es, weil der Tourismus explodierte.
Juzcar liegt in der Provinz Málaga in Andalusien und ist heute das einzige offizielle Schlumpfdorf der Welt. Das Dorf hat etwa 250 Einwohner, empfängt aber jährlich über 80.000 Besucher. Ein Kuriositätenkabinett der besonderen Art.
Santorini und Sidi Bou Said: Zwei Klassiker
Santorini in Griechenland ist vielleicht das bekannteste Bildmotiv der Welt: weiße Häuser mit blauen Kuppeln, türkisblaues Meer, orangefarbene Sonnenuntergänge in Oia. Das Blau der Kuppeln ist traditionell, aber durch Tourismus verstärkt und curated worden. Willst du das echte Erlebnis? Geh früh morgens los, vor 8 Uhr. Die Menschenmassen kommen später.
Weniger bekannt, aber mindestens genauso schön ist Sidi Bou Said in Tunesien. Das Künstlerdorf auf einer Klippe über dem Mittelmeer, rund 20 Kilometer von Tunis entfernt, ist seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Magnet für Künstler und Intellektuelle. August Macke malte hier, Paul Klee fand hier seinen Weg zur Farbe. Blau und Weiß sind Pflicht für Hausfassaden, per lokaler Verordnung.
Hier gibt es echte tunesische Küche: Brik (gefülltes Teigblatt, ca. 1-2 Euro), frisch gepresster Granatapfelsaft (1 Euro), Mint-Tee in kleinen Cafés mit Meerblick. Das Leben ist langsam, die Farben sind stark.
Wie viel kostet eine Reise in die blauesten Städte?
Kurze Übersicht für Budget-Planung:
- Chefchaouen: 35-80 Euro/Tag all-in. Günstigstes Ziel.
- Jodhpur: 40-90 Euro/Tag. Mittelfeld.
- Juzcar: Tagesausflug ab 15 Euro. Übernachten kaum nötig.
- Santorini: 100-250 Euro/Tag. Teuer in Hauptsaison.
- Sidi Bou Said: 30-60 Euro/Tag. Günstig für europäische Qualität.
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Häufige Fragen
Was ist die blaueste Stadt der Welt?
Chefchaouen in Marokko gilt als blaueste Stadt der Welt. Die Medina ist nahezu vollständig in verschiedenen Blautönen gestrichen, von Hellblau bis Kobalt. Die Farbe hat jüdische Ursprünge aus dem 15. Jahrhundert und wurde zur Tradition der gesamten Stadt.
Wann ist die beste Reisezeit für Chefchaouen?
März bis Mai und September bis Oktober sind die besten Monate. Das Wetter ist mild, die Beleuchtung für Fotos ideal. Der Sommer ist sehr heiß im Rif-Gebirge, der Winter kann kalt und regnerisch sein.
Warum ist Jodhpur blau?
Historisch war Blau in Jodhpur die Farbe der Brahmanen-Kasten, als Statussymbol und zur Kühlung der Häuser im heißen Rajasthan-Klima. Heute streichen viele Hauseigentümer weiter, weil Tradition und Tourismus beides fördern.
Wie kommt man von Tunis nach Sidi Bou Said?
Von Tunis aus fährt die TGM-Stadtbahn direkt nach Sidi Bou Said, Endstation. Die Fahrt dauert etwa 35-40 Minuten und kostet weniger als 1 Euro. Von der Haltestelle sind es noch ein paar Minuten zu Fuß den Hügel hinauf zum Dorfkern.
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