Die neuen EU-Handgepäck-Regeln 2027: Was sich ändert
Kurze Antwort: Ab 2027 soll jeder Fluggast in der EU zwei Dinge ohne Aufpreis mitnehmen dürfen: ein kleines Personal Item bis 40x30x15 cm und ein Handgepäckstück bis 100 cm Gesamtmaß und 7 kg. Die Regel ist aber noch nicht in Kraft. Die finale Annahme wird Ende 2026 erwartet, in Kraft treten soll sie 2027. Bis dahin kassieren Ryanair, Wizz und Co. weiter für den größeren Trolley.
Du stehst am Ryanair-Gate in Mailand. Vor dir hält jemand seinen kleinen Trolley in die Metall-Schablone neben dem Schalter. Der Koffer passt nicht ganz rein, ein paar Zentimeter fehlen. Die Mitarbeiterin zuckt mit den Schultern. 60 Euro. Vor Ort, sonst kommst du nicht durch. Genau diese Szene spielt sich an europäischen Flughäfen täglich tausendfach ab. Und sie ist der Grund, warum die EU gerade die Regeln umschreibt.
Wer aus den USA nach Europa fliegt, kennt das oft gar nicht. Dort ist ein Handgepäckstück meist selbstverständlich inklusive. In Europa haben die Billigflieger daraus ein eigenes Geschäftsmodell gemacht. Der Flug kostet 19 Euro, das Handgepäck nochmal 25 bis 60. Das soll sich ändern. Hier ist, was geplant ist, ab wann es gilt und was es für deine nächste Reise bedeutet.
Was ändert sich konkret bei den Maßen?
Der Kern der neuen Regel: Jeder Passagier bekommt ohne Aufpreis Anspruch auf zwei Gepäckstücke in der Kabine.
Erstens ein Personal Item, also eine Handtasche, ein kleiner Rucksack oder eine Laptoptasche, mit maximal 40 x 30 x 15 cm. Das ist das Täschchen, das unter den Vordersitz passt.
Zweitens ein echtes Handgepäckstück mit maximal 100 cm Gesamtmaß (Länge plus Breite plus Höhe zusammengerechnet) und bis zu 7 kg. Das ist der klassische Kabinen-Trolley, der in die Gepäckablage kommt.
Das Entscheidende: Genau für dieses zweite Stück, sofern es innerhalb der Maße bleibt, darf keine Airline mehr extra kassieren. Das verbietet den Billigfliegern ihr aktuelles Modell, bei dem du für jeden Trolley über Täschchen-Größe zahlst.
Ab wann gilt das? Der Status ehrlich erklärt
Hier ist Genauigkeit wichtig, weil im Netz viel durcheinandergerät. Die Regel ist noch kein geltendes Recht.
Was passiert ist: Das Europäische Parlament hat im Rahmen der Reform der Fluggastrechte seine Position beschlossen. Die zuständigen Abgeordneten wollen die kostenlosen Gepäckstücke fest in der Verordnung verankern. Das ist ein wichtiger Schritt, aber eben nur einer von mehreren.
Was noch fehlt: die finale Zustimmung des Rats, also der EU-Mitgliedstaaten. Erst danach wird die Verordnung verbindlich. Nach aktuellem Zeitplan wird die finale Annahme Ende 2026 erwartet, in Kraft treten soll die Regel 2027. Wer die offizielle Quelle prüfen will: Das EU-Parlament hat die geplante Stärkung der Fluggastrechte in einer Pressemitteilung festgehalten.
Bis dahin gilt: nichts ist verbindlich. Du solltest die 2027er-Regel also nicht beim Buchen 2026 voraussetzen.
Was heißt das jetzt für meine Reise 2026?
Praktisch heißt das: Beim Buchen heute musst du weiter aufpassen. Die Billigflieger kassieren bis zur Einführung weiter für das größere Handgepäck. Ein kleines Untersitz-Täschchen ist meist gratis, der Trolley für die Gepäckablage kostet extra.
Es gibt aber eine Bewegung schon vor dem Gesetz. Der Airline-Verband Airlines for Europe (A4E), zu dem unter anderem Lufthansa, Air France-KLM, Ryanair, easyJet und die IAG-Gruppe gehören, hat sich bereits darauf geeinigt, das freie Personal Item auf genau 40 x 30 x 15 cm zu standardisieren. Diese Umsetzung läuft seit 2025, also freiwillig und vor der gesetzlichen Pflicht.
Für dich bedeutet das 2026 konkret: Das kleine Personal Item in Standardmaß ist bei immer mehr Airlines frei. Für den größeren Trolley zahlst du aber noch. Wenn du Geld sparen willst, ist die Frage also weiterhin: Reicht dir das Untersitz-Täschchen, oder brauchst du den Trolley? Wie viel da wirklich reinpasst und wann sich der bezahlte Trolley lohnt, klärt unser Vergleich Handgepäck vs. aufgegebenes Gepäck.
Was bedeutet das für US-Reisende in Europa?
Wer aus den USA kommt, erlebt in Europa oft einen Kulturschock an der Kasse. Auf einem innereuropäischen Ryanair-, Wizz- oder Vueling-Flug ist der Kabinen-Trolley aktuell nicht inklusive. Das überrascht viele, weil sie ein Handgepäckstück als Selbstverständlichkeit gewohnt sind.
Das Ergebnis sind genau die bösen Überraschungen am Gate: ein Spottpreis-Flug, der mit Gepäckgebühr plötzlich doppelt so teuer ist. Ab 2027 endet das. Dann hat auch der US-Reisende auf jedem EU-Flug Anspruch auf das freie Handgepäckstück innerhalb der Maße.
Bis dahin gilt der wichtigste Tipp für Europa-Trips: Lies beim Buchen genau, was im Tarif drin ist. Der Basistarif enthält fast nie den großen Trolley. Wer mit nur einem Stück reist, fährt oft besser, wie unser Guide Nur mit Handgepäck reisen zeigt.
So packst du bis 2027 clever
Solange die alte Gebührenwelt noch gilt, sparst du mit System. Diese Punkte helfen sofort:
- Miss deinen Koffer wirklich nach, vor allem die Tiefe inklusive Rollen und Griffen. Die Schablone am Gate ist gnadenlos.
- Buche das größere Handgepäck online dazu, nicht am Flughafen. Am Gate ist es fast immer am teuersten.
- Bleib unter den 40 x 30 x 15 cm, wenn du gratis fliegen willst. Ein gut gepacktes Untersitz-Täschchen reicht für einen Kurztrip oft aus.
- Wiege zu Hause, wenn du dich Richtung 7 kg bewegst. Die Waage am Schalter ist verbindlich.
- Pack ein Packsystem, das Volumen spart. Wie das geht, zeigt unser Handgepäck-Packsystem.
Was sich ab 2027 ändert
Wenn die Regel in Kraft ist, kehrt sich die Logik um. Dann gilt:
- Zwei Gepäckstücke gratis: ein Personal Item bis 40 x 30 x 15 cm plus ein Handgepäckstück bis 100 cm und 7 kg.
- Kein Aufpreis mehr für ein normales Handgepäckstück innerhalb dieser Maße, auch nicht beim Billigflieger.
- Mehr Preis-Klarheit: Der angezeigte Flugpreis enthält wieder das, was die meisten unter Handgepäck verstehen.
Der rechtliche Hintergrund ist übrigens nicht neu. Schon ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014 (der Fall Vueling) stellte fest, dass Handgepäck in vernünftiger Größe ein wesentlicher Bestandteil der Beförderung ist und nicht extra berechnet werden darf. Die neue Verordnung gießt das endlich in feste Maße.
Ein konkretes Zahlenbeispiel
Rechnen wir es durch. Du buchst einen Ryanair-Flug von Berlin nach Mailand für 24 Euro. Im Basistarif ist nur das kleine Personal Item drin. Willst du den Kabinen-Trolley mitnehmen, zahlst du online oft 20 bis 30 Euro pro Strecke, am Gate gern 60 Euro. Hin und zurück mit Trolley landest du also schnell bei 24 plus 50 Euro, der Flug kostet mehr als das Doppelte. Ab 2027 wäre derselbe Trolley innerhalb der 100-cm-Grenze kostenlos. Genau hier liegt der Spareffekt der neuen Regel.
Und noch ein Punkt zur Einordnung: Spanien hat im November 2024 ein Bußgeld von 179 Millionen Euro gegen fünf Billigflieger verhängt, weil es deren Handgepäckgebühren für missbräuchlich hielt (Ryanair allein 107,7 Millionen). Im Oktober 2025 erklärte die EU-Kommission dieses spanische Bußgeld jedoch für EU-rechtswidrig, weil es in die Preisfreiheit der Airlines eingreife. Diese Spannung zeigt, warum eine einheitliche EU-weite Regel überhaupt nötig ist. Sie schafft Klarheit, wo nationale Alleingänge juristisch wackeln.
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Häufige Fragen
Wann treten die neuen EU-Handgepäck-Regeln in Kraft?
Die Regeln sollen 2027 in Kraft treten. Das EU-Parlament hat seine Position beschlossen, die finale Annahme durch den Rat wird Ende 2026 erwartet. Bis dahin ist die Regel noch nicht verbindlich und Billigflieger dürfen weiter für das größere Handgepäck kassieren.
Wie groß darf das kostenlose Handgepäck ab 2027 sein?
Geplant sind zwei Stücke: ein Personal Item bis maximal 40 x 30 x 15 cm und ein Handgepäckstück bis 100 cm Gesamtmaß (Länge plus Breite plus Höhe) und bis 7 kg. Beide sollen ohne Aufpreis erlaubt sein, auch bei Billigfliegern.
Was kostet Handgepäck bei Ryanair und Co. aktuell noch?
Bis zur neuen Regel kassieren Billigflieger weiter für den größeren Kabinen-Trolley. Je nach Strecke und Zeitpunkt zahlst du online oft 20 bis 30 Euro, am Gate auch mal 60 Euro pro Strecke. Das kleine Untersitz-Täschchen ist meist gratis.
Warum ist Handgepäck in Europa oft kostenpflichtig?
Europäische Billigflieger haben das Gepäck zur eigenen Einnahmequelle gemacht und niedrige Flugpreise mit Zusatzgebühren kombiniert. Ein EuGH-Urteil von 2014 stufte Handgepäck vernünftiger Größe zwar als Teil der Beförderung ein, eine einheitliche EU-Maßvorgabe gab es bisher aber nicht.
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