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Unterwegs

Die schönsten Bahnhöfe der Welt: Architektur, die reisen verändert

15. Juni 2026 · 7 min Lesezeit

Manche Reisenden rennen durch Bahnhöfe. Den Kopf unten, den Koffer hinter sich herziehend, auf dem Weg woanders hin. Dabei sind einige der schönsten Gebäude der Welt Bahnhöfe. Kuppeln, die Kathedralen übertrumpfen. Mosaike, die Museen würdig wären. Plätze, die nach Aufenthalt fragen, nicht nach Durchqueren.

Diese Liste nimmt Bahnhöfe, die ein Ziel für sich sind. Nicht nur eine Durchgangsstation. Orte, für die es sich lohnt, den Zug früher zu nehmen.

Warum sind europäische Bahnhöfe oft die architektonisch aufregendsten?

Europa hat den Zug früh erfunden und früh gebaut. Die Hochzeit des Bahnhofsbaus fiel ins späte 19. und frühe 20. Jahrhundert, als Ingenieurskunst auf historistischen Prunk traf.

Antwerpen-Centraal, Belgien. Regelmäßig auf Platz 1 aller weltweiten Rankings. Der Bahnhof wurde 1905 eröffnet und ist ein Meisterwerk aus Stein, Glas und Eisen. Die Haupthalle hat eine 75 Meter hohe Kuppel. Dazu fünf Bahnsteig-Ebenen unter der Erde. Architektonisch gibt es nichts Vergleichbares. Bahnhofsbüchse öffnen: Besuch Antwerpen und plane mindestens 30 Minuten für den Bahnhof ein. Tickets nach Amsterdam oder Brüssel gibt es ab 10-15 Euro.

Sao Bento, Porto, Portugal. Die Eingangshalle ist mit 20.000 Azulejos-Kacheln ausgekleidet. Die blau-weißen Szenen zeigen die Geschichte Portugals, Jagden, Schlachten, Alltagsleben. Joao Kolmar hat sie zwischen 1905 und 1916 gemalt. Wer Porto besucht, steht hier oft 15 Minuten still. Regionalbahn nach Coimbra fährt von hier ab: ca. 2 Stunden, ca. 10 Euro.

Gare de Lyon, Paris, Frankreich. Das Brasserie Le Train Bleu direkt im Bahnhof hat goldverzierte Decken und Wandgemälde, die Ziele der Mittelmeerbahn zeigen. Das Mittagessen hier kostet 35-60 Euro, ist aber einmalig. Züge nach Marseille, Nizza und Lyon fahren von der großen Halle mit ihrer Art-Nouveau-Uhr ab.

Frankfurt Hauptbahnhof, Deutschland. Keine Schönheit per se, aber der drittgrößte Bahnhof Europas nach Passagierzahlen. Was ihn faszinierend macht: 35 Gleise, Züge nach Wien, Paris, Amsterdam alle vom gleichen Standort. Architektonisch interessant ist die Eingangsfassade von 1888. Wer Nachtzüge quer durch Europa plant, kommt hier oft vorbei.

Welche Bahnhöfe außerhalb Europas muss man gesehen haben?

Grand Central Terminal, New York, USA. Nicht der größte Bahnhof der Welt (das ist Harmon Yard in New Jersey, nach Gleisen gezählt). Aber der berühmteste. Die Haupthalle mit dem türkisfarbenen astronomischen Deckengemälde und den Lichtstrahlen, die durch die Fenster fallen. Täglich 750.000 Passagiere. Das Oyster Bar im Untergeschoss serviert New Englands beste Austern. Tickets für regionale Züge ab 8-20 USD. Reise nach New York beginnt am besten hier.

Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus (CSMT), Mumbai, Indien. UNESCO-Weltkulturerbe. Das Gebäude von 1887 kombiniert victorianische Gotik mit indianischen Tempel-Ornamenten. Spitztürme, Statuen von Löwen und Tigern, ein Dach aus Buntglas. 3 Millionen Passagiere täglich. Kein anderer Bahnhof auf dieser Liste ist lebendiger. Die Erklärung zur UNESCO-Welterbestätte beschreibt das architektonische Erbe im Detail. Besuch: früh morgens, wenn das Licht durch die Fenster fällt.

Orshanbe Station, Tadschikistan. Wenig bekannt, aber ein Spektakel des Sowjet-Ornamentals. Freie Fahrt nach Termez in Usbekistan kostet fast nichts und das Gebäude ist eine Zeitreise. Für alle, die auf der Seidenstraße reisen.

Haydarpasa, Istanbul, Türkei. Liegt auf einer Halbinsel im Marmarameer. Das 1908 erbaute Gebäude ist von deutschen Architekten entworfen und hat etwas von einem deutschen Schloss. Seit Jahren wegen Restaurierung geschlossen, wird voraussichtlich 2025 wieder eröffnet. Fähre vom asiatischen Ufer: der Anblick vom Wasser ist besser als von innen.

Warum sind moderne Bahnhöfe oft genauso faszinierend?

Antwerpen und Grand Central sind 19. Jahrhundert. Aber neuere Bahnhöfe in Asien haben den Maßstab verschoben.

Liège-Guillemins, Belgien. Santiago Calatrava, 2009. Weiße Stahlbögen, 200 Meter lang, 40 Meter hoch. Kein historisches Ornament, stattdessen Struktur als Architektur. Wer von Paris nach Köln fährt, sollte aussteigen. Die Architektur rechtfertigt zwei Stunden Aufenthalt.

Shinkansen-Bahnhöfe, Japan. Tokio, Kyoto, Shin-Osaka: japanische Hochgeschwindigkeitsbahnhöfe sind in ihrer Funktionalität so optimiert, dass sie selbst ästhetisch werden. Keine Ornamente, dafür absolute Präzision. Der Japan Rail Pass ist der Schlüssel zu allen Shinkansen-Linien.

Shanghai Hongqiao, China. Kapazität: 120 Züge pro Stunde. Drei Stockwerke Bahnhof, direkt am Flughafen. Keine Schönheit im klassischen Sinn, aber ein Statement in Ingenieurkunst.

Wie plane ich einen Trip, der Bahnhöfe als Ziele integriert?

Ein Bahnhof-Crawl ist erstaunlich einfach zu planen. Der Eurail-Pass oder ein Punkt-zu-Punkt-Ticket verbindet Antwerpen (Centraal), Brüssel (Midi), Paris (Gare de Lyon) und Lyon (Part-Dieu) in einem einzigen Trip. Züge verkehren halbstündlich, Tickets sind günstiger als Flüge.

For eine Zugreise durch Europa empfiehlt sich folgende Reihenfolge:

Kosten für alle drei Segmente mit Frühbucher-Tickets: 80-150 Euro. Nicht günstig, aber machbar.


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Häufige Fragen

Welcher Bahnhof gilt als der schönste der Welt?

Antwerpen-Centraal in Belgien wird in den meisten Rankings auf Platz 1 gesetzt. Die 75-Meter-Kuppel, die fünfstöckige Bahnhofsstruktur und das Zusammenspiel aus Glas und Stein aus dem Jahr 1905 machen ihn einzigartig. Dicht dahinter: Grand Central Terminal New York und Sao Bento in Porto.

Was macht einen Bahnhof architektonisch sehenswert?

Drei Faktoren: historischer Kontext (Entstehungsepoche), Materialqualität (Stein, Glas, Eisen, Mosaike) und Raumwirkung (Höhe, Lichteinfall, Akustik). Bahnhöfe wie CSMT Mumbai verbinden koloniale Architektur mit lokalen Elementen. Moderne Ausnahmen wie Liège-Guillemins setzen auf reine Konstruktion ohne historisches Zitat.

Wie viel kostet eine Zugreise von Antwerpen nach Porto?

Direktverbindung gibt es nicht. Empfohlene Route: Antwerpen-Brüssel (Thalys oder IC, ca. 30 Minuten), Brüssel-Paris TGV (ca. 1,5 Stunden, 50-90 Euro), Paris-Porto über Madrid oder Bordeaux/Irun (ca. 7-10 Stunden, 80-130 Euro). Gesamt: 130-220 Euro. Mit Interrail günstiger.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Grand Central Terminal in New York zu besuchen?

Früh morgens (7-9 Uhr) ist der Bahnhof ruhig genug, um die Haupthalle ohne Gedränge zu erleben und die Lichtstrahlen durch die Fenster zu sehen. Mittags und nachmittags ist er voll, aber lebendig. Abends nach 19 Uhr wieder ruhiger. Das Oyster Bar hat von 11:30 bis 21:30 Uhr geöffnet.

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