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Clever Reisen

Übertourismus: Die besten Alternativen zu überlaufenen Städten

25. Mai 2026 · 8 min Lesezeit

Venedig hat ein Tageslimit für Tagestouristen eingeführt. Barcelona verhängt Bußgelder für bestimmte Touristenverhalten. Santorini kämpft mit Kreuzfahrtschiffen, die täglich Tausende Menschen in ein winziges Dorf kippen. Das ist kein Einzelfall mehr.

Die gute Nachricht: Für fast jeden Übertourismus-Hotspot gibt es eine Alternative, die genauso schön ist, aber ohne Gedränge, ohne Preisaufschlag und ohne das schlechte Gefühl, selbst Teil des Problems zu sein.

Warum ist Übertourismus ein echtes Problem für Reisende?

Übertourismus macht Reisen teurer, unangenehmer und unechter. In Venedig zahlt ein Glas Prosecco am Markusplatz 15 Euro. Hotels auf Santorini kosten im Sommer das Dreifache des Vor-Pandemie-Niveaus. Und die Erfahrung selbst? Oft eine Enttäuschung. Warteschlangen überall, Souvenirläden statt lokaler Restaurants, gestresste Einheimische die längst in die Vororte gezogen sind.

Die Alternativen funktionieren anders. Kleinere Städte haben oft dieselbe historische Substanz, echte kulinarische Kultur, bezahlbare Unterkünfte. Und du bist Gast, kein Besucher in einem Freizeitpark.

Welche Alternativen ersetzen die bekanntesten Übertourismus-Ziele?

Statt Venedig: Lecce

Lecce im Salento wird das “Venedig des Südens” genannt, aber nicht wegen der Kanäle, sondern wegen des Barockstils. Die gesamte Altstadt ist aus goldenem Kalkstein gebaut. Kathedralen, Palazzi, enge Gassen. Touristen? Deutlich weniger. Hotelpreise? Ein Boutique-Hotel kostet 80 bis 110 Euro pro Nacht, wo Venedig das Dreifache nimmt.

Dazu kommt die Küche. Orecchiette, Friselle, Pasticciotto. Apulien ist das mit Abstand beste Reiseziel Italiens für Essbegeisterte. Mehr dazu im Apulien-Reiseguide.

Statt Barcelona: Bilbao

Barcelona ist überwältigend, touristisch gesättigt und im Sommer unerträglich voll. Bilbao im Baskenland hat ein Guggenheim-Museum, eine der besten Pintxos-Szenen Spaniens und eine Altstadt, die sich noch echt anfühlt.

Die Stadt hat sich durch die sogenannte “Bilbao-Effekt”-Transformation von einer Industriestadt zur Kulturmetropole entwickelt. Flüge von vielen deutschen Städten ab 70 bis 100 Euro. Hotels in guter Lage um die 90 Euro. Zum Vergleich: Barcelona nimmt im Sommer 180 bis 250 Euro für dieselbe Qualität. Wenn du dennoch nach Barcelona willst, hilft unser Artikel 48 Stunden Barcelona dabei, das Beste aus der Stadt herauszuholen.

Statt Amsterdam: Gent

Amsterdam ist schön, teuer und im Sommer mit Tagestouristen überflutet. Gent in Belgien ist, was Amsterdam vor 30 Jahren war. Mittelalterliche Architektur, Kanäle, Grachten, lebendige Kneipenszene, Universitätsatmosphäre.

Die offizielle Tourismusseite Visit Flanders beschreibt Gent als eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtzentren Europas. Zimmer im Zentrum ab 85 Euro. Amsterdam nimmt das Doppelte. Wer Amsterdam doch bevorzugt, findet die besten Viertel in unserem Artikel Wo übernachten in Amsterdam.

Statt Santorini: Milos oder Naxos

Santorini ist ein Instagram-Klischee geworden. Die Preise sind absurd. Ein einfaches Hotelzimmer mit Meerblick kostet 350 Euro pro Nacht und mehr. Milos hat dieselbe vulkanische Landschaft, farbige Fischerhäuser und weiße Dörfer. Sarakiniko, der Mondstrand, ist einzigartig in der ganzen Ägäis.

Naxos ist größer, grüner, hat bessere Strände und einen Berg der Wandern ermöglicht. Preise auf beiden Inseln: 60 bis 120 Euro für gute Unterkünfte im Sommer. Das halbe Santorini. Wer die griechischen Inseln vergleichen will, findet in unserem Griechenland Inseln Vergleich alle Details.

Statt Prag: Brünn oder Olmütz

Prag hat seine Grenzen längst überschritten. Junggesellenabschied-Gruppen dominieren die Altstadt. Bier ist teuer, Unterkünfte sind teuer, die Atmosphäre leidet.

Brünn ist die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Burganlage, Untergrundkatakomben, exzellentes Bier. Preise spürbar günstiger. Olmütz ist ein UNESCO-Welterbe-Kandidat mit einem beeindruckenden Stadtbild, sechs Barockbrunnen und fast keinen westlichen Touristen. Wer Prag noch plant, hilft der Artikel Wo übernachten in Prag bei der Unterkunftswahl.

Statt Dubrovnik: Kotor

Dubrovnik hat eine Eintrittsgebühr für die Stadtmauern eingeführt und die Kreuzfahrtschiff-Zahlen begrenzt. Zu Recht: Im Sommer ist es kaum noch erträglich.

Kotor in Montenegro ist eine befestigte Altstadt direkt am Fjord. Ähnliche venezianische Architektur, deutlich weniger Touristen, deutlich günstigere Preise. Das Hinterland mit dem Lovcen-Nationalpark ist ein Bonus. Unterkunft im Zentrum ab 70 Euro pro Nacht.

Statt Kyoto: Kanazawa

Kyoto ist nach Tokio das meistbesuchte Ziel in Japan. Tempel, Geishas, Bambuswälder. Das ist alles da, aber mit Millionen Touristen gleichzeitig.

Kanazawa an der Westküste Japans hat den drittschönsten Landschaftsgarten des Landes (Kenroku-en), ein historisches Samurai-Viertel, ein authentisches Geisha-Viertel und eines der besten Meeresfrüchtemarkte außerhalb von Tokio. Nur wenige internationale Touristen. Näher an der Realität des traditionellen Japan als jeder andere Ort. Mehr über das Land im Japan-Reiseguide.

Warum lohnen sich Alternativen auch finanziell?

Die Preisunterschiede sind erheblich. Weniger bekannte Städte bedeuten günstiger Hotels, günstigere Restaurants und oft günstigere Flüge, weil kein Low-Cost-Hub-Aufschlag entsteht.

Ein Wochenende in Gent statt Amsterdam: 40 Prozent Ersparnis bei der Unterkunft. Eine Woche Naxos statt Santorini: 50 bis 60 Prozent weniger für Unterkunft. Das ist kein marginaler Unterschied. Das ist Budget für ein weiteres Reiseziel.

Das Prinzip gilt auch bei der Buchungsweise. Wer früh plant, vergleicht Plattformen und nutzt alternative Viertel, spart nochmal. Dazu der Artikel Airbnb vs. Hotel: Was lohnt sich wirklich?.

Wie reist man bewusster ohne Verzicht?

Slow Travel ist der Rahmen. Weniger Städte, mehr Zeit pro Ort. Weniger Checklisten-Tourismus, mehr echte Begegnungen. Busse und Züge statt Mietwagen, Märkte statt Souvenirläden.

Das Konzept erklärt unser Artikel Slow Travel: Was es wirklich bedeutet. Die Grundidee: Qualität der Reiseerfahrung steigt, wenn die Anzahl der Ziele sinkt.


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Häufige Fragen

Was macht eine Stadt zum Übertourismus-Hotspot?

Übertourismus entsteht, wenn die Besucherzahlen die Kapazität einer Stadt dauerhaft übersteigen. Indikatoren: steigende Mietpreise, Verdrängung von Einheimischen, überfüllte Sehenswürdigkeiten, qualitative Verschlechterung der Touristeninfrastruktur (mehr Souvenirläden, weniger echte Lokale). Venedig, Barcelona und Amsterdam haben in den letzten Jahren Besucherbeschränkungen und Sondersteuern eingeführt.

Warum sind Alternativen wie Lecce oder Bilbao noch nicht so überlaufen?

Sie haben weniger internationales Marketing erhalten, keine direkten Massencharterflüge und keine Hollywood-Produktionen als Kulisse. Das ändert sich langsam. Bilbao wurde durch das Guggenheim bekannt, Lecce durch Foodblogger. Das Fenster für entspanntes Reisen ist noch offen.

Wann ist die beste Reisezeit für Alternativziele in Südeuropa?

Mai und Juni oder September und Oktober. Dann sind die bekannten Ziele bereits überfüllt, die Alternativen aber noch ruhig. Preise liegen 20 bis 30 Prozent unter Hochsommerpreisen, Temperaturen sind angenehmer. Das gilt besonders für Lecce, Bilbao und Kotor.

Wie findet man weitere Geheimtipps in Europa?

Lies Artikel von einheimischen Bloggern statt großer Reisemagazine. Schau auf Google Maps nach Städten mit 4,5 Sternen Bewertung aber wenig Rezensionen. Das sind oft Orte, die gut sind aber noch nicht entdeckt. Unser Artikel Geheimtipps Europa listet weitere Optionen.


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