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Workation 2026: So planst du sie steuerlich richtig

28. April 2026 · 8 min Lesezeit

Du sitzt mit dem Laptop in einem Café in Lissabon. Klient ruft an, du nimmst ab. Steuer-technisch: harmlos. Drei Wochen später bist du immer noch dort. Spätestens jetzt wird es kompliziert.

Workation ist nicht einfach Urlaub mit Laptop. Sobald du regelmäßig im Ausland arbeitest, betreten du und dein Arbeitgeber rechtliches Neuland.

Wann wird Workation steuerlich relevant?

Die magische Zahl heißt 183 Tage. Wer länger als 183 Tage in einem Land verbringt, wird dort steuerpflichtig. Bei Workations innerhalb der EU greift meistens noch das Doppelbesteuerungsabkommen, du zahlst nicht doppelt. Aber Anmeldepflichten können trotzdem entstehen.

Wichtig: Die 183 Tage zählen pro Kalenderjahr. Drei Monate Spanien plus drei Monate Portugal sind unproblematisch, sechs Monate in einem Land werden schnell heikel.

In manchen Ländern liegt die Schwelle niedriger. Spanien hat die “Beckham Law” für Hochverdiener, Portugal das NHR-Programm. Beide locken digitale Nomaden mit Sondersteuersätzen. Aber: Beide Programme wurden 2024 deutlich eingeschränkt. Was 2023 noch ein Selbstläufer war, ist 2026 oft nicht mehr verfügbar.

Was passiert mit der Sozialversicherung?

Hier liegt der Knackpunkt, den die meisten unterschätzen.

In der EU gilt die A1-Bescheinigung. Sie bestätigt, dass du in deinem Heimatland sozialversichert bleibst, auch wenn du im Ausland arbeitest. Ohne A1 kann das Gastland dich zur dortigen Sozialversicherung verpflichten. Die Strafen reichen bis zu 10.000 Euro, in Frankreich noch höher.

Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland erklärt die Antragstellung im Detail. Wichtig: A1 musst du vor Reiseantritt beantragen, nicht währenddessen.

Außerhalb der EU wird es komplizierter. Mit den USA, der Schweiz und einigen anderen Ländern gibt es Sozialversicherungsabkommen. Mit den meisten asiatischen oder südamerikanischen Ländern nicht. Workation in Bali heißt also: deutsche Krankenkasse läuft weiter, aber Schutz im Ausland nur über Auslandskrankenversicherung.

Welche Länder sind 2026 am besten für Workation?

Die Top-Optionen aus deutscher Sicht im Überblick.

Portugal. Digital Nomad Visa seit 2022. Mindesteinkommen: 3.480 Euro pro Monat (4-faches portugiesisches Mindestlohn). NHR-Programm wurde 2024 reformiert, gilt nur noch für bestimmte Berufsgruppen.

Spanien. Digital Nomad Visa seit 2023. Mindesteinkommen: 2.762 Euro pro Monat. Beckham Law: 24% Pauschalsteuer auf Gehalt bis 600.000 Euro für die ersten 5 Jahre.

Estland. Vorreiter mit dem Digital Nomad Visa seit 2020. e-Residency-Programm zusätzlich verfügbar. Mindesteinkommen: 4.500 Euro pro Monat.

Costa Rica. Rentista-Visa mit 2.500 USD nachgewiesenem Einkommen pro Monat. Steuerfrei für ausländische Einkünfte. Sehr beliebt bei Selbstständigen.

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Was musst du vor der Workation klären?

Eine konkrete Checkliste, in dieser Reihenfolge.

Erstens: A1-Bescheinigung beantragen. Bei deiner Krankenkasse, mindestens 4 Wochen vor Abreise. Pflicht für jede EU-Workation.

Zweitens: Mit dem Arbeitgeber sprechen. Manche Arbeitgeber haben Workation-Policies, die nur bestimmte Länder oder Maximaldauern erlauben. Datenschutz (DSGVO) und Arbeitsschutz gelten weiter.

Drittens: Steuerliche Lage prüfen. Bei mehr als 6 Wochen am Stück oder Wiederholungen am gleichen Ort: Steuerberater fragen. Eine 200-Euro-Beratung kann tausende Euro Strafen sparen.

Viertens: Aufenthaltstitel klären. Innerhalb der EU brauchst du nichts, in Costa Rica oder Bali eventuell ein Touristenvisum oder Digital Nomad Visa.

Fünftens: Versicherung anpassen. Die gesetzliche Krankenversicherung deckt im EU-Ausland viel ab, außerhalb fast nichts. Eine Auslandskrankenversicherung für Langzeit-Aufenthalte kostet etwa 50 bis 100 Euro pro Monat.

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Häufige Fragen

Was ist die 183-Tage-Regel?

Wenn du mehr als 183 Tage pro Kalenderjahr in einem Land verbringst, wirst du dort steuerpflichtig. Gilt für die meisten Länder weltweit, mit kleinen Variationen im Detail.

Wer braucht eine A1-Bescheinigung?

Jeder Angestellte und Selbstständige, der innerhalb der EU temporär im Ausland arbeitet. Sie muss vor Reiseantritt beantragt werden, nicht nachträglich. Strafen ohne A1 können bis 10.000 Euro betragen.

Welche Länder bieten Digital Nomad Visa?

Portugal, Spanien, Estland, Italien, Costa Rica, Mexiko, Kroatien und etwa 40 weitere Länder. Die Anforderungen variieren stark, meistens braucht es nachgewiesenes Einkommen zwischen 2.500 und 4.500 Euro pro Monat.

Wann braucht man einen Steuerberater?

Bei mehr als 6 Wochen Workation am Stück, bei Wiederholungen am gleichen Ort, oder wenn du als Selbstständiger zwischen Heimat und Workation-Land pendelst. Eine einmalige Beratung kostet 150 bis 300 Euro und verhindert oft viel teurere Fehler.


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