Extra Legroom Sitzplatz buchen: Lohnt es sich wirklich?
Du bist 1,90 Meter groß. Zwölf Stunden Langstrecke nach Tokio. Deine Knie berühren den Vordersitz schon beim Hinsetzen. Dann ist die Antwort klar: Extra Legroom ist kein Luxus. Es ist eine medizinische Notwendigkeit.
Für alle anderen ist die Lage komplizierter. Wann lohnt sich der Aufpreis? Wann kannst du dir das Geld sparen? Und wie bekommst du den besseren Platz manchmal völlig kostenlos?
Was genau ist ein Extra Legroom Sitz?
Drei Varianten gibt es, die unter diesem Begriff kursieren. Erstens die Notausgangreihe (Exit Row). Sie hat mehr Abstand zur Vorderreihe, weil die Notausgänge freizuhalten sind. Der Haken: Der Sitz klappt sich oft nicht nach hinten. Und du musst sicherstellen können, dass du im Ernstfall die Türe öffnen und Passagiere lotsieren kannst. Kinder und Passagiere mit bestimmten körperlichen Einschränkungen dürfen dort nicht sitzen.
Zweitens die Bulkhead-Seats. Das sind die ersten Reihen nach einer Trennwand, also zum Beispiel direkt hinter der Business Class. Vorne kein Sitz, sondern Wand. Das bedeutet mehr Beinfreiheit. Aber auch: kein Platz unter dem Vordersitz für eine Tasche, mehr Lärm durch Toiletten oder Galley in der Nähe.
Drittens Economy Plus oder Comfort Plus. Bei United, Delta und anderen US-Carriern gibt es eine Premium-Economy-Light-Variante. Mehr Platz, manchmal ein paar Extras, aber kein eigener Kabinenbereich. Nicht zu verwechseln mit echter Premium Economy, die deutlich teurer ist.
Was kostet Extra Legroom?
Die Preisspanne ist breit. Bei Ryanair und EasyJet kosten Exit-Row-Seats auf Kurzstrecken zwischen 15 und 50 Euro. Auf Mittelstrecken, also Europa nach Nordafrika oder Türkei, liegt der Aufpreis bei 30 bis 120 Euro. Auf Langstrecken mit normalen Airlines wie Lufthansa, British Airways oder Air France zahlst du 50 bis 200 Euro extra, je nach Route und Buchungszeitpunkt.
Das klingt nach viel. Ist es auch. Deswegen lohnt es sich, zuerst zu prüfen, ob du den Platz nicht umsonst bekommst.
Wann lohnt sich der Aufpreis?
Klares Ja für folgende Situationen.
Körpergröße ab 185 cm. Auf Langstrecke wird Economy für große Menschen schlicht unzumutbar. Die durchschnittliche Seat Pitch in Economy liegt bei 79 bis 81 Zentimetern. Bist du deutlich größer, bekommst du deine Knie kaum gerade hin.
Flüge ab 8 Stunden. Auf Kurzstrecke (unter 2 Stunden) spielt Beinfreiheit kaum eine Rolle. Du sitzt, du schaust aus dem Fenster, du landest. Auf Langstrecke entscheidet der Platz darüber, ob du halbwegs ausgeruht ankommst oder mit blockierten Beinen die ersten Urlaubstage verbringst.
Knieprobleme oder Rückenbeschwerden. Wenn enge Sitzreihen körperliche Schmerzen verursachen, ist der Aufpreis schnell gerechtfertigt. Eine Nacht Hotelzimmer kostet meist mehr als der Extra Legroom Sitz.
Wann lohnt es sich nicht?
Unter 2 Stunden Flugzeit. Du nimmst nicht einmal eine Mahlzeit ein. Spare das Geld lieber für andere Reiseausgaben. Beim günstigen Fliegen zählen diese Posten.
Körpergröße unter 175 cm. Standardmäßige Economy-Reihen sind kein Problem. Der Aufpreis für mehr Platz ist schlicht nicht nötig.
Wenn du einen Fensterplatz bevorzugst. Exit Row und Bulkhead-Seats sind fast ausschließlich Mittel- und Gangplätze. Wer gerne ans Fenster schaut, schaut beim Extra Legroom in die Röhre. Statt 80 Euro für einen Gangplatz lieber nur mit Handgepäck reisen und am Check-in-Schalter nett fragen.
Wenn du gut schläfst. Wer auf Langstrecken problemlos einschläft, braucht keinen Extra-Centimeter. Eine Nackenkissen und Schlafmaske leisten mehr als zehn Zentimeter zusätzlicher Beinfreiheit.
Wie bekommst du den Sitz manchmal kostenlos?
Die wichtigste Frage überhaupt. Airlines vergeben Exit-Row-Sitze am Check-in-Schalter manchmal kostenlos, wenn der Flug voll ist und die Reihe noch nicht besetzt ist. Hintergrund: Die Airline will sichergehen, dass körperlich geeignete Passagiere dort sitzen. Beim Online-Check-in ist das Verfahren automatisiert. Beim persönlichen Check-in kannst du fragen.
Die Formel ist simpel: beim Schalter höflich fragen, ob die Notausgangsreihe noch frei ist und ob du umgebucht werden könntest. Kein Garantie-Rezept. Aber es kostet nichts und funktioniert häufiger als man denkt, vor allem auf vollen Flügen.
Zweite Option: Status. Vielflieger-Programme wie Miles & More Senator oder Star Alliance Gold vergeben Extra Legroom häufig kostenlos oder stark vergünstigt. Das lohnt sich als langfristige Strategie, nicht für den nächsten Einzelflug. Wenn du die Grundlagen von Meilenprogrammen verstehen möchtest, hilft unser Artikel zu Business Class ohne Meilen buchen.
Dritte Option: Spontan-Umbuchung. Viele Airlines entsperren Exit-Row-Plätze 24 bis 48 Stunden vor dem Flug zu reduzierten Preisen. Lohnt sich, wenn du flexibel bist und kurz vor dem Abflug nochmal nachschaust.
Welche Sitze sind wirklich besser?
Nicht alle Extra Legroom Sitze sind gleich. SeatGuru zeigt dir für jeden Flugzeugtyp und jede Airline die genaue Sitzplatzkarte mit Kommentaren echter Passagiere. Manche Notausgangsreihen haben eingeschränkte Fensteraussicht. Manche Bulkhead-Sitze liegen direkt neben der Flugzeugküche. Das erfährst du dort vorher.
Der A320 von Ryanair hat andere Sitzkonfigurationen als der B787 von Lufthansa. Was bei einer Airline “Premium Row” heißt, ist bei einer anderen eine ganz normale Reihe. SeatGuru vor der Buchung aufrufen ist Pflicht, nicht Kür.
Beim Bid Upgrade in die Business Class findest du außerdem eine Alternative für Langstrecken, die manchmal günstiger ausgeht als erwartet.
Plane deinen nächsten Flug mit Zercy und sieh auf einen Blick, welche Optionen verfügbar sind. Speichere deine Favoriten im Zercy Logbook, damit du beim Buchen alle Vergleiche griffbereit hast.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Extra Legroom und Premium Economy?
Extra Legroom ist ein Sitz in der normalen Economy-Klasse mit mehr Abstand zur Vorderreihe. Premium Economy ist ein eigener Kabinenbereich mit breiteren Sitzen, besserem Service und höherem Ticket-Preis. Extra Legroom kostet 15 bis 200 Euro Aufpreis. Premium Economy kann 200 bis 800 Euro mehr kosten.
Wann lohnt sich Extra Legroom am meisten?
Bei Körpergröße ab 185 cm auf Flügen über 8 Stunden ist der Aufpreis fast immer gerechtfertigt. Auf Kurzstrecken unter 2 Stunden spielt Beinfreiheit kaum eine Rolle. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist auf Langstrecke am besten.
Wie bekomme ich einen Extra Legroom Sitz kostenlos?
Am Check-in-Schalter höflich fragen, ob die Notausgangsreihe noch frei ist. Viele Airlines vergeben diese Plätze kostenlos an geeignete Passagiere auf vollen Flügen. Außerdem entsperren viele Airlines 24 bis 48 Stunden vor dem Flug Extra-Plätze zu günstigeren Preisen als bei der Buchung.
Welche Sitze in der Notausgangsreihe haben Einschränkungen?
Du musst körperlich in der Lage sein, die Notausgangstür zu öffnen und Passagiere zu helfen. Kinder, schwangere Passagiere und Menschen mit bestimmten Mobilitätseinschränkungen dürfen dort nicht sitzen. Die Flugbegleiter weisen dich beim Einsteigen auf die Sicherheitsverantwortung hin. Im Zweifelsfall wirst du umgesetzt.
Mehr lesen
Zercy ausprobieren
Kein Formular, kein Konto. Einfach deine Reiseidee eintippen — Zercy denkt mit.
✈ Kostenlos loslegenJede Woche eine Stadt, die du noch nicht auf dem Radar hast.
3 Hotels, 1 Flug-Tipp — direkt ins Postfach. Kein Spam.